Market Flash

Die Märkte für risikobehaftete Anlagen standen in der vergangenen Woche weiterhin unter Druck – bei gleichzeitig sehr hoher Volatilität. Die US-Märkte haben in der schlimmsten Börsenwoche seit dem Jahr 2008 zu den Entwicklungen an den europäischen Märkten aufgeschlossen. Gleichzeitig leiden die Unternehmensanleihen unter mangelnder Liquidität.

 

Wie entwickelt sich die Situation?

In vielen Ländern wurden zur Eindämmung des Corona-Virus Maßnahmen ergriffen, aber es wird noch mindestens ein bis zwei Wochen dauern, bis erste greifbare Ergebnisse zum Fortschreiten der Pandemie vorliegen. In der Zwischenzeit arbeiten Regierungen und Zentralbanken daran, die globale Wirtschaft zu stützen, die unter dem plötzlichen und massiven Herunterfahren der wirtschaftlichen Aktivität sehr stark leidet und auch in Zukunft mit den Folgen zu kämpfen haben wird. Die Europäische Zentralbank hat daher ein gigantisches Programm zum Ankauf von Anleihen von mehr als 1.000 Milliarden Euro für dieses Jahr angekündigt. Neuerdings werden die griechischen Schulden diesmal in das Rückkaufprogramm aufgenommen. Am Montag kündigte die US-Notenbank Fed ihrerseits eine unbegrenzte quantitative Lockerung bei Unternehmensanleihen an.

Auf Regierungsseite mehren sich die Unterstützungszusagen für vom Konkurs bedrohte Unternehmen, und es wird sogar über Verstaatlichungen diskutiert, insbesondere für Fluggesellschaften. Brüssel begräbt momentan die europäische Doktrin der Haushaltsdisziplin, die Vereinigten Staaten bereiten einen Unterstützungsplan in Höhe von mindestens 2.000 Milliarden US-Dollar vor und sogar sogenanntes Helikoptergeld an die Haushalte werden beschworen – kurzum: Die monetäre und budgetäre „Bazooka“ wird eingesetzt. Diese Maßnahmen werden zwar die Staatsverschuldungen drastisch erhöhen, aber sie werden von den Zentralbanken aufgekauft und der Schuldendienst wird dank des niedrigen Zinsniveaus nur leicht schmerzhaft sein.

Dennoch bleiben Unsicherheiten bestehen, insbesondere in Bezug auf die Vereinigten Staaten. Während die Lage in einigen Bundesstaaten bereits kritisch ist (Kalifornien, New York), wenden viele die notwendigen Maßnahmen nicht an, was die Angst vor einer ausufernden Epidemie schürt. Umso beunruhigender ist die Tatsache, dass das amerikanische Gesundheitssystem kaum in der Lage zu sein scheint, diese Situation meistern zu können. Darüber hinaus haben die Versuche, die Auswirkungen der aktuellen Krise auf das BIP-Wachstum im zweiten Quartal zu quantifizieren, zu beispiellosen Ergebnissen geführt: -12 Prozent nach Schätzungen von JP Morgan oder -24 Prozent nach Goldman Sachs (auf Jahresbasis). Auf jeden Fall ist sicher, dass das US-Bruttoinlandsprodukt in den nächsten Monaten stark unter Druck geraten wird.

In diesem Zusammenhang ist es schwierig, viele Argumente zu finden, um eine kurzfristige Rückkehr der Risikobereitschaft zu rechtfertigen.

 

Wie sieht das Szenario für die Zukunft aus und wie passen wir uns an?

Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen setzen alle Hebel in Bewegung, um die Wirtschaft vor der zu erwartenden Rezession zu bewahren. Auch wenn sie sich wahrscheinlich nicht vermeiden lässt, wird der Schaden durch die jetzt ergriffenen Maßnahmen zumindest begrenzt. Die Koordination zwischen den Staaten ist teilweise noch unvollkommen, doch zumindest können wir sehen, dass sich ein koordiniertes Vorgehen abzeichnet. Die nach der Finanzkrise 2008 eingeführten Mechanismen wurden stärker als je zuvor ausgeschöpft, was mit Blick auf die Erhaltung des Wirtschaftssystems zu begrüßen ist. Aber wir bewegen uns in Richtung einer Welt, in der die Staatsverschuldung noch höher sein wird.

Kurzfristig sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass es schwierig sein wird, sich eine dauerhafte Markterholung ohne eine gesundheitliche Lösung an der Pandemiefront vorzustellen. Dies könnte jedoch noch mehrere Wochen dauern – wobei die Situation von Land zu Land unterschiedlich ist. Darüber hinaus wird die sich abzeichnende Rezession zwangsläufig Neben- und Nachwirkungen verursachen, weshalb uns die erhebliche Volatilität an den Märkten erhalten bleibt. In diesem Zusammenhang halten wir daher an unserer vorsichtigen Positionierung fest, die sich in niedrigen Aktienengagements bei Allokations- und Multi-Asset-Fonds sowie in einer weiter höheren Liquidität und einer noch genaueren Titelauswahl in unseren Aktienfonds widerspiegelt.

Dieser Beitrag basiert auf den Überzeugungen des Fondsmanagements von LFDE – La Financière de l’Échiquier.
Redaktionsschluss für diesen Marktkommentar war am 23. März 2020.