Olivier de Berranger

Makroökonomie

OK, Boomer

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, Clément Inbona, Fund Manager La Financière de L‘Echiquier.

Der Ausdruck „Ok, Boomer“, der sich (schlecht) mit „Ok, alter Knacker“ übersetzen ließe, veranschaulicht den Riss zwischen den Generationen der Babyboomer, die nach dem Krieg und bis in die 1970er-Jahre geboren wurden, und den Millenials und der Generation Z, also den Jahrgängen seit den 1980er-Jahren. Der Ausdruck ist ein Zeichen der Geringschätzung für eine Generation, die bezichtigt wird, vom Wirtschaftswunder profitiert und gleichzeitig der jüngeren Generation vor allem durch Verschuldung und Umweltverschmutzung eine große Last auferlegt zu haben. Sogar so sehr, dass die Ungleichheit zwischen den Generationen ein zentrales Problem des 21. Jahrhunderts sein könnte.

Zum Beispiel ist das aktuelle (völlig zersplitterte) französische Rentensystem nach Meinung der Jüngeren nicht mehr tragbar. Hauptgründe hierfür sind die umgedrehte Alterspyramide und das Misstrauen gegenüber Reformen, das sich in den aktuellen Protesten äußert.

Die Generation der Babyboomer wird rückblickend als begünstigt wahrgenommen: gute Beschäftigungsquote bei Menschen mit Abschluss (außer in Krisen), höheres durchschnittliches Wachstum als heute, Wertsteigerung des Vermögens durch Anstieg der Immobilienpreise, sowie langfristige Aktienkursgewinne für Sparer und Rückgang der Zinssätze. Die jungen Generationen scheinen dazu verurteilt, die Bürde der Staats- und Umweltschulden zu tragen. Zwar haben die Jüngeren in der Tat eine Last zu tragen, dabei wird aber zu schnell vergessen, dass sie auch einen wichtigen Trumpf besitzen: die Zeit. Einen Zeithorizont, der ein finanzielles Risiko zulässt, etwa durch Anlagen in Aktien. Der verhältnismäßig kurze Anlagehorizont der Babyboomer zwingt sie angesichts der im aktuellen Niedrigzinsumfeld mickrigen Renditen in sichere Anlagen.

Auch wenn das politische Engagement eines Teils der Jugend weniger sichtbar ist als bei den vorherigen Generationen durch die Mitgliedschaft in traditionellen Organisationen (Parteien, Gewerkschaften usw.), verlassen sie nicht die politische Bühne. Sie betreten sie nur anders, durch ehrenamtliche Vereinsarbeit, durch ihren bewussteren Konsum, der nicht nur durch materielle Fragen gesteuert wird, sondern auch durch die Suche nach Lösungen für Umwelt- und Gesellschaftsfragen. Ein rationales Verhalten von den Menschen, die von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen sein werden. Die Unternehmen haben dies verstanden und tragen jenseits des Gebots wirtschaftlicher und finanzieller Rentabilität zunehmend den Aspekten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) Rechnung.

Wie bei ihrem bewussteren Konsum werden auch bei den Investments der jungen Generation die Suche nach Lösungen und die Wirkungsorientierung bei den Entscheidungen der Sparer im Mittelpunkt stehen. OK, Boomer?