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Makroökonomie

Zwischen Umkehr und Inhaftierung

 

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Cross Asset Manager La Financière de L‘Echiquier.

 

Die Erholung der Märkte nach dem Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen China und den USA auf dem G20-Gipfel war letztlich nicht von Dauer, und Risikoanlagen schlossen die vergangene Woche abermals im Minus. Hierfür gibt es zwei Gründe: die Sorge um eine Umkehrung der US-Zinskurve und die in Kanada erfolgte Inhaftierung der Finanzdirektorin des chinesischen Huawei-Konzerns auf Ersuchen der USA.

 

Es gilt, die Entwicklungen in dieser jüngsten Angelegenheit abzuwarten, um beurteilen zu können, inwieweit sie die anstehenden Handelsgespräche zwischen den USA und China gefährden könnte. Nichtsdestotrotz sorgt die Festnahme von Meng Wanzhou, der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei, für Unsicherheit bei den Verhandlungen zwischen China und den USA. Einerseits, weil Huawei ein wichtiges chinesisches Unternehmen und einer der Hauptkonkurrenten von Apple ist, andererseits, weil Ren Zhengfei sehr eng mit der kommunistischen Partei Chinas verbunden ist.

 

Die Sorgen aufgrund der potenziellen Umkehrung der US-Zinskurve bedürfen näherer Erläuterung. Diese Bedenken beziehen sich auf das Zinsniveau im Bereich 2- und 3-jähriger Laufzeiten, das gegenwärtig höher als im 5-jährigen Bereich ist, und fußen auf den Lehren der Vergangenheit: Die Umkehrung der Kurve ist ein sehr guter Frühindikator für eine Rezession! Um jedoch deutlich zu sein, muss dieses „Signal“ für eine Rezession einen Großteil der Zinskurve betreffen und zugleich durch die relevantesten Zinsdifferenzen, also 10 Jahre-3 Monate und 2 Jahre-3 Monate, statistisch bestätigt werden. Die Zinsdifferenz 10 Jahre-3 Monate hat zwar mit 49 Bp. einen Tiefstand erreicht, bleibt jedoch positiv. Die Differenz bei 2 Jahre-3 Monate liegt mit 37 Bp. nahe an ihrem Durchschnitt seit 2010 (44 Bp.) und deutlich über ihrem Tiefstand vom Juli 2017. Zudem stellt man bei Betrachtung aller möglichen Zinsdifferenzen fest, dass sich lediglich rund 4 % der US-Zinskurve umgekehrt haben. Das „Rezessionssignal“ ist jedoch erst belastbar, wenn diese Statistik mindestens 50 % erreicht.

 

Überdies muss angemerkt werden, dass die Verengung des Abstands zwischen dem Zinssatz bei 10 Jahren und bei 3 Monaten vor allem von einer Schwäche des 10-jährigen Zinssatzes herrührt. Denn dieser sank von 3,24 % Anfang November auf 2,88 % Anfang Dezember. Grund sind insbesondere die als sehr akkommodierend empfundenen Äußerungen der Fed. Noch in der Vorwoche gingen die langfristigen Zinssätze nach Veröffentlichung eines Artikels im Wall Street Journal zurück, dem zufolge die Notenbank nach ihrer Dezember-Sitzung eine „Pause“ einlegen und beschließen könnte, sich bei ihrem Handeln an den Indikatoren zu orientieren. Das ist aber nichts Neues! Seit Monaten wissen wir, dass die Fed „data dependent“ ist und sich die Möglichkeit offen lässt, das Tempo ihrer geldpolitischen Straffungspolitik den wirtschaftlichen Bedingungen anzugleichen.

 

Darin eine größere Kehrtwende beim Kurs der Fed zu erkennen oder auf eine vorübergehende Umkehrung eines sehr begrenzten Teils der Zinskurve überzureagieren sind zwei Symptome eines Marktes unter überaus hohem Stress, an dem jede Information überinterpretiert werden kann, solange sie die kurzfristige Stimmung der Anleger rechtfertigt.