LFDE-Portfoliomanager sieht Comeback bei Tech und setzt verstärkt auf „Physical AI“

FUNDVIEW · 13/04/2026

Nach der Entspannung im Iran-Konflikt kehrt Risikobereitschaft an die Märkte zurück, mit Rückenwind für zyklische Werte und Tech. Christophe Pouchoy von LFDE nutzt die Bewegung, um gezielt in Physical AI zu investieren, insbesondere in humanoide Robotik.

Die Welt ist geprägt von geopolitischen Spannungen. Gleichzeitig hat sich der Fokus am Markt etwas verschoben, nämlich weg von reinen AI-Software- und Tech-Themen hin zu stärker zyklisch geprägten Bereichen. „Nach der von Donald Trump verkündeten Waffenruhe sehen wir eine gewisse Erleichterung. Die Märkte am 7. April waren noch volatil, weil viele eine härtere Reaktion gegenüber dem Iran erwartet hatten. Letztlich hatte der Markt aber bereits antizipiert, dass Trump eher zurückrudern könnte und genau das ist eingetreten. Mittlerweile reagieren die Märkte entsprechend positiv, denn Aktien und Anleihen legen zu, die Renditen sinken“, sieht Christophe Pouchoy, Fondsmanager des Echiquier Robots and Humanoids (ISIN: FR0012413722) bei LFDE, im Gespräch mit Fundview.

Pouchoy sehe wieder verstärktes Interesse an zyklischen Titeln, die zuvor unter steigenden Energiepreisen gelitten hätten. Gleichzeitig kehre auch das Interesse am Technologiesektor zurück. „Die Bewertungen sind in den vergangenen Tagen attraktiver geworden, und wir hatten genau eine solche Gegenbewegung erwartet, sobald es zu einer Entspannung im Iran-Konflikt kommt. Anleger steigen nun wieder stärker in das KI-Thema ein, insbesondere in Halbleiter, Netzwerkinfrastruktur sowie industrielle und energiebezogene KI-Anwendungen“, so der Fondsmanager. Auch Industriewerte, etwa aus den Bereichen Automatisierung, Robotik oder Raumfahrt, zeigen eine deutliche Erholung.

An der Positionierung seiner Fonds habe Pouchoy allerdings wenig verändert. „Wir sind davon ausgegangen, dass dieser Konflikt eher kurzfristiger Natur sein würde und sich, wie andere geopolitische Episoden zuvor, wieder abschwächt. Entsprechend bleiben wir klar auf den strukturellen Trend hin zu ‚Physical AI‘ ausgerichtet. Im Space-Fonds setzen wir weiterhin auf langfristige Wachstumstreiber wie kommerzielle Anwendungen, Verteidigung, Exploration und geistiges Eigentum im Raumfahrtbereich.“ Insgesamt gäbe es zahlreiche Faktoren, die das Interesse an den Investmentthemen weiter stützen sollten.

„Im Echiquier Robots and Humanoids erhöhen wir gezielt die Allokation in Segmente, die besonders stark von fortschrittlichen KI-Modellen profitieren dürften, wie etwa autonomes Fahren, Robotaxis und humanoide Roboter. Diese Bereiche haben wir in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut. So haben wir beispielsweise früh im Jahr Horizon Robotics aufgenommen, ein chinesisches Unternehmen mit starker Position im Ökosystem des autonomen Fahrens“, erklärt Pouchoy und führt aus, dass er zudem UBTech Robotics, einen Hersteller humanoider Roboter, ins Portfolio aufgenommen und die Position in Tesla im Vorfeld der nächsten Optimus-Generation ausgebaut habe.

Darüber hinaus investiere Pouchoy verstärkt in die Lieferkette humanoider Robotik. Neben Halbleitern umfasse diese auch zahlreiche mechanische Komponenten wie Aktuatoren oder Getriebe. Ein Großteil dieser Wertschöpfung finde in Asien statt und diese Lieferketten werden gezielt analysiert, um attraktive Investmentchancen zu identifizieren. Asien mache aktuell etwa ein Drittel des Fonds aus, mit Engagements in Taiwan, Japan, Korea und China. „Insgesamt bauen wir unsere geografische Präsenz in der Region weiter aus.“

Die starke Dynamik im Bereich humanoider Robotik hänge vor allem mit sinkenden Kosten zusammen. „Aktuell liegen diese bei etwa 25.000 bis 30.000 US-Dollar laut Aussagen des UBTech-Managements, vor zwölf bis 18 Monaten waren es noch über 50.000 Dollar. Solche Kostenrückgänge beschleunigen erfahrungsgemäß die Marktdurchdringung deutlich. Entsprechend sehen wir erste industrielle Anwendungen. Unternehmen testen humanoide Roboter in ihren Produktionsprozessen. Airbus etwa hat einen Vertrag mit UBTech Robotics geschlossen und plant den Einsatz in der Luftfahrtfertigung“, so Pouchoy. Gerade Branchen wie die Automobilindustrie oder Logistik, die bereits stark automatisiert seien, könnten humanoide Systeme relativ leicht integrieren und deren Wirtschaftlichkeit bewerten.


Eine Million humanoide Roboter bis 2030 laut Schätzungen

Pouchoy erwarte daher eine schnellere Adoption im industriellen Umfeld als im B2C-Bereich. Anwendungen im Einzelhandel oder in der Dienstleistungsbranche seien zwar denkbar, dürften sich aber langsamer durchsetzen: „Grundsätzlich müssen Roboter trainiert werden und basieren auf vortrainierten Modellen. Gleichzeitig nutzen viele Systeme Reinforcement Learning, sie lernen also aus ihrer Umgebung und verbessern ihre Modelle kontinuierlich. Dadurch werden sie zunehmend präziser und besser an reale Einsatzbedingungen angepasst.“

Der Robotics-Fonds, der kürzlich zu Echiquier Robots and Humanoids umbenannt wurde, bestehe bereits seit über zehn Jahren: „Wir investieren sowohl in physische als auch digitale Robotiklösungen, also in alle Technologien, die reale Anwendungen ermöglichen. In den vergangenen Jahren hat insbesondere das Interesse an humanoiden Robotern deutlich zugenommen. Deshalb haben wir den Fondsnamen entsprechend angepasst und unsere Gewichtung in diesem wachsenden Markt erhöht.“ Langfristig gehe Pouchoy davon aus, dass humanoide Roboter zunächst in Fabriken eingesetzt werden, mittelfristig aber auch im Alltag eine größere Rolle spielen, beispielsweise im Handel oder sogar im privaten Umfeld.

Die Prognosen zur Marktentwicklung seien entsprechend ambitioniert. Einige Schätzungen gehen von einer Million humanoider Roboter bis 2030 aus. Andere Szenarien sprechen von mehreren Milliarden Einheiten bis 2060, potenziell sogar einem Roboter pro Mensch. „Neben humanoider Robotik und autonomem Fahren sehen wir weiterhin Chancen in anderen Segmenten. Die Fabrikautomatisierung wächst aktuell zwar langsamer als noch vor drei Jahren, könnte aber durch die Reindustrialisierung in den USA und Europa wieder an Dynamik gewinnen. Der Logistikbereich profitiert vom anhaltenden E-Commerce-Boom, und auch Medizintechnik entwickelt sich dank besserer AI-Modelle sehr dynamisch“, so Pouchoy.

Zudem baue der Fondsmanager die Aktivitäten im Bereich Space Robotics aus, etwa durch Investments in Raketenhersteller oder Mondfahrzeuge. Das Thema gewinne durch Programme wie Artemis und steigende Verteidigungsbudgets zusätzlich an Bedeutung. „Natürlich wird auch über mögliche negative Auswirkungen diskutiert, wie über den Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung. Solche Sorgen können die Einführung neuer Technologien kurzfristig bremsen. Beispiele wie Robotaxis zeigen, dass es zunächst Widerstände geben kann“, so Pouchoy.

Langfristig gehe er jedoch davon aus, dass sich, wie schon seit der industriellen Revolution, die Arbeitsmärkte anpassen und sich Tätigkeiten verlagern, statt vollständig zu verschwinden. „Für Investoren ist entscheidend zu verstehen, dass wir das gesamte Robotik-Universum abdecken, mit besonderem Fokus auf jene Segmente, die aktuell das stärkste Wachstum aufweisen, insbesondere autonomes Fahren, humanoide Robotik und Raumfahrt“, so Pouchoy abschließend.