Yann Giordmaina

FONDSPORTRÄT: ECHIQUIER VALUE EUROPE - Juli

Das Ziel des Echiquier Value Europe besteht darin, in Unternehmen zu investieren, die Wert schaffen können. Dies erfolgt mittels eines unorthodoxen Anlageansatzes ohne sektor-, stil- oder themenbezogene Schwerpunkte.

Trotz der nach wie vor schwierigen makroökonomischen und geopolitischen Lage war das erste Halbjahr 2026 für europäische Aktien von einem günstigen Umfeld geprägt. Neben den dominierenden Schlagzeilen zum Nahost-Krieg gibt es auch eine weitere Entwicklung: Es finden wieder mehr Fusionen und Übernahmen statt.

Hier tut sich insbesondere das Vereinigte Königreich hervor. Laut Reuters und LSEG[1] erreichten die Transaktionen, die britische Unternehmen betreffen, Mitte Mai 2026 bereits ein Volumen von 192 Mrd. US-Dollar. Das ist fast so viel wie im gesamten Jahr 2025. Diese Dynamik ist auf die anhaltende Unterbewertung britischer Unternehmen, den nach wie vor äußerst umfangreichen Markt, den soliden rechtlichen Rahmen für öffentliche Übernahmeangebote sowie das gegenüber bestimmten Währungen weiterhin schwache Pfund Sterling zurückzuführen.

TRANSAKTIONEN 

Konjunktur und Fundamentaldaten  

Aktuell sind zwei Portfoliounternehmen – DCC und Tate & Lyle – Gegenstand von Übernahmeangeboten. Der Energieversorger DCC ist ein gutes Beispiel für die anhaltende Diskrepanz zwischen der Börsenbewertung und dem inneren Wert. Nachdem DCC ein erstes Angebot als unzureichend abgelehnt hatte, erhielt das Unternehmen ein überarbeitetes Angebot in Höhe von 6.672,22 Pence pro Aktie[2], was einem Aufschlag von rund 33 % auf den durchschnittlich gewichteten Kurs der Aktie drei Monate vor der ersten Kontaktaufnahme entspricht. Das Unternehmen zeichnet sich unserer Ansicht nach durch sein dichtes Verteilnetz, seine starke Position auf den lokalen Märkten, die enge und schwer nachzubildende Nähe zu seinen Kunden und seinen konstanten Cashflow aus. Die schrittweise Einstellung nicht essenzieller Geschäftstätigkeiten hat zudem zu einem klareren Tätigkeitsfeld geführt, wodurch die Gruppe transparenter wird und eine direkte Bewertung durch einen Käufer aus dem Industrie- oder Finanzsektor ermöglicht wird.

Die Übernahme des Lebensmittelkonzerns Tate & Lyle erfolgt nach dem gleichen Prinzip. Das Angebot von Ingredion in Höhe von 615 Pence pro Aktie entspricht einem Aufschlag von 64 % auf den letzten Börsenkurs vor der Ankündigung der Verhandlungen. Dieser Wert wurde vom Markt lange Zeit nicht anerkannt, obwohl die Gruppe einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht hat und sich von ihrem ursprünglichen Hauptgeschäft, der Zuckerproduktion, hin zu einer Plattform für Spezialzutaten entwickelt hat. Auf diesem Markt stellen die Unternehmensgröße, die Kompetenz im Bereich Rezepturen, der Zugang zu Großkunden und die Anwendungsvielfalt konkrete Wettbewerbsvorteile dar. Ingredion zahlt also nicht nur für eine Aktie. Das Unternehmen erwirbt eine seltene, komplementäre Plattform, die geschäftlich sofort genutzt werden kann.

ANLAGESTRATEGIE 

Unser Ansatz besteht darin, Unternehmen ausfindig zu machen, deren Marktbewertung unserer Ansicht nach die Qualität der Vermögenswerte, die Stärke der Wettbewerbsposition, die Cashflow-Generierung oder die verfügbaren strategischen Optionen nicht adäquat widerspiegelt. Fusionen und Übernahmen bilden zwar nicht den Kern des Anlageprozesses, können jedoch ein wichtiger Indikator für den Wert sein.

Ein öffentliches Übernahmeangebot muss unter Berücksichtigung des inneren Werts des Unternehmens, der Bonität des Erwerbers, der Wahrscheinlichkeit der Durchführung, des regulatorischen Rahmens sowie der Tatsache, dass der geschaffene Wert zwischen den verkaufenden und den erwerbenden Aktionären aufgeteilt werden muss, bewertet werden.

 

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[1] Reuters, London Stock Exchange Group

https://www.reuters.com/legal/transactional/foreign-bids-drive-uk-ma-new-highs-192-billion-already-2026-2026-05-18/

[2] Angebot vom 10. Juni 2026